Mein Name ist Afra

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Fotos und Gestaltung:
Ernst Dopfer

Holsteinischer Courier vom 28.7.2000:

Rosalinde als Romanheldin in der 12000-Seelen-Gemeinde..

  Autorin aus Peiting schrieb ein Buch über die berühmte Moorleiche

  In der 12 000-Seelen-Gemeinde Peiting in Oberbayern weiß jedes Kind, dass  dort im Moor einst eine Leiche ausgegraben wurde, die jetzt in Neumünster im  Textilmuseum liegt. Angela Dopfer-Werner war auch ein Peitinger Kind und  damals schon fasziniert. Jetzt hat sie ein Buch über die berühmte Leiche  geschrieben.  "Mir persönlich ist es egal, ob die Leiche den Peitingern oder den  Neumünsteranern gehört. Aber seit meiner Kindheit wusste ich, dass ich mal  etwas über diesen mysteriösen Fund schreiben würde", sagte Angela  Dopfer-Werner (45). Auch sie pilgerte 1987 in die Peitinger Krypta, als  Rosalinde als Leihgabe aus Neumünster gekommen war (siehe Artikel unten).

  Angela Dopfer-Werner ist Sozialpädagogin und betreibt mit ihrem Mann drei  Boutiquen in Peiting und Schongau. Mit dem historischen Roman "Mein Name ist  Afra" legt sie ihr Erstlingswerk vor. Drei Jahre hat sie dafür recherchiert,  anderthalb Jahre daran geschrieben.

  Wie hat sie gelebt, wie ist sie gestorben?

  Darin beschreibt sie das Leben zweier Frauen im Oberbayern des zehnten  Jahrhunderts. Die Orte sind alle genau recherchiert. Der Roman dreht sich um  den Alltag der Bauern, um Liebe und um die Macht von Kirche und Adel. "Die  Persönlichkeit von Richlint, der späteren Moorleiche, habe ich erfunden und in  die Geschichte eingebunden", sagte die Autorin zum Courier.   Zwei Hauptfragen werden beantwortet: Wie hat sie gelebt und vor allem: Wie ist  sie gestorben? Die wirkliche Todesursache ist nicht bekannt, aber in dem Buch  bietet Angela Dopfer-Werner eine Version an. Auf welche gruselige Weise die  Autorin ihre Romanheldin sterben lässt, will sie nicht vorab verraten.

  "Mein Name ist Afra" erscheint am 5. September im Verlag Herbig, München.

  (ISBN: 3-7766-2185-0). Mehr Infos im Internet:  www.mein-name-ist-afra.de

 

 

Moorleiche mit Urlaubsschein

 

    Rückblick auf einen Kulturkampf zwischen Neumünster und Peiting in Oberbayern

 

  Rosalinde, die Moorleiche, ruht seit 1962 in einem Glassarg im Textilmuseum.  Ihre Geschichte ist abenteuerlich. 1957 stoßen Torfarbeiter im Moor bei  Peiting/Oberbayern auf einen Sarg. Darin befindet sich eine Leiche, an der  Kleiderreste zu erkennen sind. Das Landesamt für Denkmalpflege in Bayern  überträgt Dr. Ullemeyer vom Textilmuseum Neumünster die Bergung,  Konservierung und wissenschaftliche Bearbeitung, weil er ein großer Experte auf  diesem Gebiet ist. In einer Blitzaktion wird der Sarg aus Kieferbohlen nach  Schleswig-Holstein transportiert. Die Tote, eine Frau mit Schaftstiefeln, ist  durch das Moor sehr gut konserviert. Untersuchungen ergeben, dass sie etwa  25 Jahre alt war und kurz vor ihrem Tod ein Kind geboren hat. Datiert wird sie in  das 12. Jahrhundert.

  30 Jahre ruht die Moorleiche in Frieden, bis die Gemeinde Peiting sie 1987 zum  550. Geburtstag zurückfordert, um sie im Schongauer Heimatmuseum  auszustellen. Es kommt zu einem Rechtsstreit. Bürgermeister Klement Sesar  aus Peiting reist nach Neumünster und erklärt das Begehren seiner Landsleute.

  Wenn schon nicht für immer, dann zumindest als Leihgabe beansprucht Peiting  die alte Dame. Die Kulturdezernentin Helga Hein widersetzt sich energisch und  sagt: "Zuerst bringen sie sie um, und dann soll sie als Lustobjekt herhalten." Es  geht ein Rauschen durch den Blätterwald – von "Bild" bis "Schongauer  Nachrichten". Die Presseerklärung der Stadt liest sich so: "Die Moorleiche ist  Teil einer Ausstellungseinheit. Wenn sie aus der zusammenhängenden Schau  gerissen wird, wäre sie lediglich ein Objekt, das aus Sensationslust zur Schau  gestellt würde."

  Briefe gehen hin und her. Dann kündigt Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder die  Reise der alten Dame nach Peiting an. Der Magistrat erteilt ihr einen  Urlaubsschein und hofft damit, "die Verbindung zwischen dem bajuwarischen  und schleswig-holsteinischen Volksstamm enger zu knüpfen". Beschützt von  Bodyguards, begleitet von einer Delegation aus dem Rathaus, von Presse und  TV, wird Rosalinde nach Bayern transportiert und in der Krypta der Pfarrkirche aufgebahrt. 5000 Besucher defilieren an ihr vorüber. Bei dem Volksfest zur  550-Jahrfeier versöhnen sich die Politiker und Streithammel aus Neumünster  und Peiting. Rosalinde kehrt am Ende unversehrt nach Neumünster zurück. (md)                

 

ABENDZEITUNG vom 30.9.2000

Burgfräulein und Moorleiche

                           Ein bayerisches Frauenleben im 10.Jahrhundert: Angela
                              Dopfer-Werners Romandebüt “Mein Name ist Afra”

Oben in der Burg das umsorgte, hellhäutige Fräulein, unten im Dorf die stolze, apfelbackige Bauersfrau, im Gefolge der Soldaten die dralle, lebensfrohe Marketenderin - schön wär’s, wenn’s so gewesen wäre. Im Mittelalter. Dass ein Frauenleben im Bayern des 10.Jahrhunderts eher mühsam als romantisch-naturverbunden war, schildert Angela Dopfer-Werners erster Roman “Mein Name ist Afra” (Herbig, 335 Seiten, 34.90 DM).

Inspiriert dazu hat die ehemalige Sozialpädagogin und heutige Geschäftsfrau eine rätselhafte weibliche Moorleiche, die 1957 im Schwarzlaichmoor bei Peiting gefunden wurde. Die Spuren weisen auf ein heimliches, unehrenhaftes Begräbnis, und die schönen Schnürstiefel der Toten passen nicht zur Tracht der Zeit. Kurz vor ihrem Tod hatte die junge Frau noch ein Kind zur Welt gebracht.

In Angela Dopfer-Werners Roman steht sie als Richlint wieder auf, und ihre Freundin Afra darf die Frauengeschichte aus dem historischen Pitengouua erzählen. Zwar ist die Erzählperspektive nicht durchgehalten, und auch sonst ist das Werk sprachlich eher bieder. Was es aber fesselnd macht, ist die historisch-heimatkundliche Milieuschilderung über das Leben der Frauen zwischen harter körperlicher Arbeit, Fortpflanzungspflicht und christlichem Gebote-Terror. Wer sich, wie die als Leibeigene geborene Richlint, nicht demütig in die männerdominierte dörfliche Gesellschaft einordnet, wird zur Außenseiterin. Wer sich auch noch mit Heilkunde auskennt, noch dazu fremd ist und allein lebt wie Richlints Vorbild Justina, wird suspekt. Und das Getratsche wird angestachelt vom zickigen Burgfräulein, das zwar auch im Holzhaus wohnt und den ganzen Tag arbeitet, dafür aber schönere Kleider hat als die Bauersfrauen und in der Kirche vorne sitzen darf.

Ihr Wunsch nach Selbstbestimmtheit und letztlich ihre fruchtbare Affäre mit einem Soldatenführer ungarischer Verbündeter, wird Richlint in dieser überschaubaren Mikrogesellschaft zum Verhängnis, und die brav zwangsverheiratete Freundin Afra wagt es im entscheidenden Moment nicht, zu ihr zu stehen.

Wild-romatisch ist auch diese Roman-Version des Mittelalters, aber sicher um einiges näher an der historischen Realität als die Burgfräulein-Schoten der Fantasy-Zunft.
                                                                                   Felicia Engelmann

 

AUGSBURGER ALLGEMEINE

Augsburger-Allg

dpa vom 17.10.2000

Liebe und Stolz in Zeiten des Krieges:

              Ein Roman aus dem Mittelalter

              München (dpa) - Liebhaber von Romanen mit geschichtlichem Hintergrund kommen in diesem Herbst voll auf ihre Kosten. Die Verlage bieten eine Fülle historischer Geschichten, unter denen einige besonders auffallen. Dazu zählt auch Angela Dopfer-Werners Buch «Mein Name ist Afra», das die Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters entführt und zugleich am Schicksal zweier Frauen in einer von Männern bestimmten Welt teilhaben lässt. Afra wächst mit ihrer Freundin Richlint in einem Bauerndorf auf. Während die eine ein zufriedenes Leben im Kreis ihrer Familie führt,            lehnt sich die andere gegen den verhassten Ehemann auf. Die Autorin erzählt von dem              Lebensweg der beiden vor dem Hintergrund kriegerischer Auseinandersetzungen im         ottonischen Reich.

Interview in TEXT Art 2/2001 “Debüt: Der erste Erfolgsroman

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